Bauchschmerzen – Information für Eltern
Bauchschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden im Kindesalter und sind ein häufiger Grund, warum Eltern mit ihrem Kind ärztlichen Rat suchen. Viele Kinder klagen im Laufe ihrer Entwicklung immer wieder über Schmerzen im Bauch. Das kann für Eltern zunächst beunruhigend sein, besonders wenn unklar ist, woher die Beschwerden kommen.
Wichtig zu wissen ist: In den meisten Fällen steckt hinter Bauchschmerzen im Kindesalter keine schwere Erkrankung. Häufig handelt es sich um vorübergehende Beschwerden im Zusammenhang mit Infekten, Verdauungsproblemen oder auch Belastungen im Alltag. Dennoch ist es sinnvoll, genau hinzuschauen, da Bauchschmerzen sehr unterschiedliche Ursachen haben können.
Für die Einschätzung ist zunächst wichtig, wie es Ihrem Kind insgesamt geht. Wirkt es wach und ansprechbar? Spielt es zwischendurch oder zieht es sich stark zurück? Kann es trinken und essen? Diese Beobachtungen helfen häufig mehr bei der Einschätzung als die genaue Stärke der Schmerzen.
Wann spricht man von akuten Bauchschmerzen?
Von akuten Bauchschmerzen spricht man, wenn die Beschwerden plötzlich auftreten und nur kurze Zeit bestehen. In der Regel dauern sie wenige Stunden bis einige Tage.
Im Kindesalter sind akute Bauchschmerzen häufig mit Infekten verbunden. Zu den häufigsten Ursachen gehören Magen-Darm-Infektionen, Verstopfung, Luft im Bauch oder auch Infekte außerhalb des Bauchraums, zum Beispiel Atemwegsinfekte. Besonders bei kleineren Kindern können Bauchschmerzen auch im Rahmen eines fieberhaften Infektes auftreten.
Seltener können auch Erkrankungen wie eine Blinddarmentzündung, eine Harnwegsinfektion oder andere entzündliche Prozesse im Bauchraum dahinterstehen. Deshalb ist es wichtig, auf den Verlauf der Beschwerden zu achten.
Wann spricht man von chronischen oder wiederkehrenden Bauchschmerzen?
Wenn Bauchschmerzen über einen längeren Zeitraum bestehen oder immer wieder auftreten, spricht man von chronischen beziehungsweise wiederkehrenden Bauchschmerzen. Häufig wird hierfür ein Zeitraum von mehr als vier Wochen zugrunde gelegt.
Gerade im Schulalter sind solche Beschwerden relativ häufig. In vielen Fällen finden sich keine organischen Ursachen. Man spricht dann von funktionellen Bauchschmerzen. Diese können unter anderem mit Stress, Belastungen im Alltag, Veränderungen im sozialen Umfeld oder auch mit einer erhöhten Empfindlichkeit des Darms zusammenhängen.
Daneben kommen auch andere Ursachen infrage, zum Beispiel Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Verstopfung oder seltener entzündliche Erkrankungen des Darms.
Welche Ursachen kommen bei Bauchschmerzen im Kindesalter besonders häufig vor?
Die häufigsten Gründe für Bauchschmerzen unterscheiden sich etwas je nach Alter und Verlauf der Beschwerden. Bei akuten Bauchschmerzen stehen Infekte des Magen-Darm-Traktes, Verdauungsprobleme oder vorübergehende Reizungen des Darms im Vordergrund.
Bei länger bestehenden oder wiederkehrenden Bauchschmerzen spielen funktionelle Beschwerden eine große Rolle. Dabei reagiert der Bauch besonders empfindlich auf bestimmte Reize, ohne dass eine organische Erkrankung vorliegt.
Auch Verstopfung ist eine sehr häufige Ursache für Bauchschmerzen im Kindesalter und wird im Alltag leicht übersehen.
Welche Warnzeichen sollte man beachten?
In den meisten Fällen sind Bauchschmerzen harmlos und vorübergehend. Es gibt jedoch einige Hinweise, bei denen eine ärztliche Abklärung besonders wichtig ist.
Dazu gehören zum Beispiel sehr starke oder plötzlich zunehmende Schmerzen, anhaltendes Erbrechen, Blut im Stuhl, hohes Fieber oder ein deutlich reduzierter Allgemeinzustand. Auch wenn ein Kind kaum trinken kann, ungewöhnlich müde wirkt oder Schmerzen beim Gehen oder Hüpfen hat, sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen.
Bei länger bestehenden Bauchschmerzen können Warnzeichen auch ein ungewollter Gewichtsverlust, nächtliche Schmerzen oder anhaltender Durchfall sein.
Was können Eltern bei Bauchschmerzen zunächst tun?
Wenn Ihr Kind Bauchschmerzen hat, ist zunächst Ruhe und Beobachtung wichtig. Oft hilft es, wenn das Kind sich hinlegt, etwas trinkt und sich ausruhen kann. Eine warme Bauchauflage wird von manchen Kindern als angenehm empfunden.
Achten Sie darauf, ob sich die Beschwerden im Laufe der Zeit bessern oder ob weitere Symptome hinzukommen. Gerade bei leichten Beschwerden reicht häufig etwas Zeit und Erholung aus.
Wann sollte ein Kind mit Bauchschmerzen ärztlich untersucht werden?
Eine ärztliche Untersuchung ist sinnvoll, wenn Bauchschmerzen sehr stark sind, plötzlich auftreten und nicht nachlassen oder wenn weitere Beschwerden hinzukommen. Auch bei wiederkehrenden Bauchschmerzen über mehrere Wochen kann eine Abklärung hilfreich sein, um mögliche Ursachen genauer einzuordnen.
Wenn Sie als Eltern unsicher sind oder ein ungutes Gefühl haben, dürfen Sie sich jederzeit an uns wenden.
Bauchschmerzen sind ein häufiges Symptom im Kindesalter und haben meist harmlose Ursachen. Mit einer sorgfältigen Beobachtung, etwas Geduld und einer guten Begleitung lässt sich in den meisten Fällen gut einschätzen, wann Ihr Kind einfach Zeit zur Erholung braucht und wann eine weitere Untersuchung sinnvoll ist.
In unserer Praxis ist es uns wichtig, Sie und Ihr Kind in solchen Situationen zu unterstützen. Wenn Sie Fragen haben oder unsicher sind, sprechen Sie uns jederzeit an – gemeinsam finden wir den besten Weg für Ihr Kind.
Quellen
AWMF-Leitlinie „Akute Bauchschmerzen bei Kindern und Jugendlichen“ (AWMF-Register Nr. 006-106)
AWMF-Leitlinie „Funktionelle Bauchschmerzen bei Kindern und Jugendlichen“ (AWMF-Register Nr. 027-062)
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ): Empfehlungen zu funktionellen gastrointestinalen Störungen im Kindesalter
Hyams JS et al.: Childhood Functional Gastrointestinal Disorders – Rome IV Criteria, Gastroenterology 2016